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Schönaicher Männervesper
Bild oben links: Werner Rebmann bei der Eröffnung der Veranstaltung , Bild oben rechts: Teilnehmer am Schönaicher Männervesper Bild oben: Diakon Martin Rebmann der Referent

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Bericht von Cornelia Hofmann vom Schönaicher Anzeiger über das 26. Ökumenische Männervesper in der Seniorenbegegnungsstätte

Glaube braucht Experimente

Dieses Mal war es ein Referent aus der eigenen Gemeinde, der die Männervesper gestaltete. Martin Rebmann, Diakon der katholischen Kirche in Schönaich, stellte die Frage, ob im Glauben ähnliche Experimente möglich seien, wie in der Wissenschaft, wo neue Erkenntnisse in Experimenten bewiesen und abgesichert werden. Mit viel persönlichem Engagement und Offenheit gab Rebmann seine Antwort auf diese Frage und damit auch so manchen Denkanstoss für die eigenen Überlegungen.

Natürlich sind Experimente im klassischen naturwissenschaftlichen Sinn gänzlich unbrauchbar, geht es um den Nachweis von Glauben. Doch Experimente im weiteren Sinn, wörtlich verstanden „Erfahrungen“, gibt es selbstredend auch im Glauben - wovon Diakon Martin Rebmann an diesem Abend recht eindrücklich berichtete. Glaubens- und auch Wertegewissheiten sind heute nicht mehr selbstverständlich. Im Gegenteil: Glaube erscheint heute oft als Schwäche oder als bloße Nützlichkeitserwägung. Diakon Rebmann hingegen machte im Rahmen seines einstündigen Vortrages deutlich, dass sich im Glauben Erfahrungsräume öffnen und Deutungen möglich werden, die ohne gar nicht möglich wären. Glauben ist nicht ein Für-wahr-Halten. Glauben heißt Vertrauen, so sehr, dass man sich an das Geglaubte existentiell hingibt. Echter Glauben erfordert etwas Glaubwürdiges. Dieses muss erfahrbar sein, prinzipiell für alle nachvollziehbar und auch mitteilbar sein. In seinen Erlebnisberichten erzählte Martin Rebmann seinem Auditorium auf eindrückliche Art und Weise von derartigen Erfahrungen. Von seinen Erinnerungen als Ministrant im Schwarzwald, wo er geboren und aufgewachsen ist, aber auch von den prägenden Erfahrungen beim Wehrdienst, den er schlussendlich verweigerte und der ihn auf den Weg des Theologiestudiums führte. Glaube braucht Erfahrung und beweist sich in der Lebensbewährung, so die Hauptaussage seines Referats. Glaube braucht aber auch die kritische Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit des Lebens, mit unseren Fragen, Zweifeln und Einwänden. Er ist kein Lückenbüsser für das, was wir nicht wissen, sondern antwortet auf die letzten Fragen nach Sinn und Ziel unseres Lebens. „Insofern gibt es auch im Bereich des Glaubens Experimente“, so Rebmann und fragte rhetorisch in die Runde seiner Zuhörerschaft, ob innerer Frieden schon verspürt wurde, obwohl äußere Unruhe herrschte? Ob sein Auditorium das Gefühl kenne, schon einmal etwas von sich selbst hergegeben und hinterher dennoch mehr gehabt zu haben oder schon einmal Schuld eingestanden und danach innerlich frei geworden zu sein. „Was macht uns glücklicher“, so der Diakon, „zu lieben oder zu hassen?“. Es gibt wohl keinen, der sich als gläubig bezeichnet und noch nie Phasen des Zweifelns, der Irritation oder Gottesferne erfahren hat. Zahlreiche und immer wiederkehrende Momente, in denen man sich fragt, ob man mit den Bildern vom Glauben wirklich am Wesen der Dinge dran ist. „Glaube schützt nicht vor Not“, räumte Rebmann ein und auch, dass das Christentum „kein System an Lehrsätzen“ , sondern eine „lange Geschichte und immer wieder korrigierte Summe von Erfahrungen“ sei. Eine Formulierung, die tief beeindruckte und nachdenklich stimmte. Es gibt Dinge, Zusammenhänge, letzte Lebensfragen, die mit rein mathematischnaturwissenschaftlicher Denkweise nicht erfasst werden. Schon die Sinnfrage ist auf diese Weise nicht zu klären und erst recht ist Gott nicht im Reagenzglas vorweisbar. Auch die 26. Männervesper war voller „Tiefgang“, wie Werner Rebmann es am Schluss resümierend zusammenfasste. Glauben gehört zum menschlichen Leben, ja für viele ist er sogar die Voraussetzung ihrer menschlichen Begegnungen. Und dennoch: Warum können oder wollen so viele nicht glauben? Warum fällt es so schwer darüber zu sprechen? Ist Glauben heute vielleicht schwerer? Lebhafte Gespräche entwickelten sich nach dem Rebmann- Referat an den einzelnen Tischen. Offen versuchten die Männer ihre eigenen Zweifel und Erfahrungen in Worte zu fassen und erfuhren im gegenseitigen Austausch eine tolle Resonanz.

 

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